Fohlen, Jungpferde und trächtige Stuten

„Auf Grund der Zunahme der Resistenzbildung auch bei Parasiten sollte der Einsatz von Anthelminthika als Medikation angesehen werden, die spezifisch und nicht allein aus prophylaktischen Gründen erfolgen soll.“

Quelle: Fohlenmedizin, Kerstin Fey, Gabriela Kolm, Georg Thieme Verlag, 24.11.2010

Die herkömmlichen Regeln der ZSE gelten für Pferde ab der 4. Weidesaison. Mit einigen Adaptionen können Jungpferde jedoch beprobt werden und sie sollten dies sogar. In der Praxis erhalten wir immer wieder Proben von Jungpferden, welche trotz regelmäßiger Behandlung besorgniserregende Eizahlen von Spulwürmern und/oder Strongyliden aufweisen. Dies ist auf Verwendung unpassender Wirkstoffe, Resistenzen und Unterdosierungen zurückzuführen. Ein Minimum sind zumindest Wirksamkeitsproben.

Trächtige Stute

Im Idealfall steht die Stute in einem Stall, in dem bereits seit längerer Zeit ZSE durchgeführt wird. Dadurch ist der Infektionsdruck und die Zusammensetzung des Bestandes bekannt und wir wissen ungefähr, welchen Wurm-Gefahren das Fohlen ausgesetzt werden wird.

Für die Mutterstute empfiehlt sich eine Beprobung 2-4 Wochen vor der Geburt, damit besteht noch ausreichend Zeit die Mutter im Bedarfsfall zu behandeln.

Stute mit Fohlen bei Fuß

Die Wirkstoffe der Entwurmungen werden großteils über den Kot ausgeschieden. Ein kleiner Teil geht jedoch in die Milch über. Diese ständige Unterdosierung führt zu vermehrter Bildung von Resistenzen. Unnötige Behandlungen sind daher zu vermeiden.

Nach der Geburt

Die erste Beprobung des Fohlens erfolgt 6 Wochen nach der Geburt. Dies ist die Präpatenz (Zeit von Aufnahme der infektiösen Larven bis zur ersten Eiausscheidung) der Strongyliden.

Da das Immunsystem des Fohlens noch nicht ausgereift ist, ist eine wesentlich häufigere Beprobung notwendig. Die Häufigkeit orientiert sich an mehreren Faktoren, welche immer individuell zu betrachten sind (Infektionsdruck, wie viele Jungpferde im Stall, Hygiene usw. …). Anfangs können diese Intervalle 4-6 Wochen betragen. Im Falle einer notwendigen Behandlung verlängern sich diese je nach ERP des verwendeten Wirkstoffes.

Str. westeri (Zwergfadenwurm)

Lediglich beim Auftreten von Durchfall, kann eine frühere Beprobung (bereits mit 2-4 Wochen sinnvoll sein). In seltenen Fällen kann dieser von Str. westeri verursacht werden. Um eine Diarrhoe auszulösen ist aber ein sehr hoher Befall notwendig. In den allermeisten Fällen entwickeln die Fohlen bereits mit 4 Monaten eine ausreichende Immunität.

Bei Str. westeri schlüpfen die Larven sehr rasch aus den Eiern, wodurch der Kot bei der Untersuchung möglichst frisch sein muss d.h. nach dem Sammeln müssen sie rasch gekühlt werden.

Eine Behandlung der Mutterstute am Tag der Geburt kann eine Infektion mit Str. westeri (Zwergfadenwurm) nicht verhindern, daher ist der Nutzen dieser Entwurmung äußerst fraglich. Lediglich bei einem bekannten Problem mit Zwergfadenwürmern im Bestand ist es überlegenswert.

Spulwürmer

Eine Infektion mit Spulwürmern kann auf Grund deren Präpatenz erst mit 10-16 Wochen nachgewiesen werden. Der Höhepunkt der Eiausscheidung erfolgt meist mit 16-18 Wochen.

Die Spulwürmer sind in der Praxis ein häufiges Problem, da diese mit den sogenannten makrozyklischen Laktonen meist nicht ausreichend bekämpft werden können. So wiegen sich die Fohlenbesitzer nach der unkontrollierten Entwurmung in Sicherheit obwohl die Spulwürmer nicht ausreichend bekämpft wurden.

Ein sehr hoher Befall mit Spulwürmern birgt mehrere Probleme. Erstens Schädigungen von Lunge und Leber durch Körperwanderung und bei der Entwurmung die Gefahr des Wurmileus. D.h. die absterbenden Würmer können den Darm verschließen, welches für das Fohlen absolute Lebensgefahr bedeutet und meist nur mittels Operation behoben werden kann.

Das Wissen um die Höhe der ausgeschiedenen Eier hilft das Risiko der Entwurmung abzuschätzen. So kann dabei durch die Wahl des Wirkstoffes, sowie begleitenden Maßnahmen die Gefahr verringert werden.

Im Gegensatz zu Strongyliden und Bandwürmern, welche Weideinfektionen sind, erfolgt die Infektion mit Spulwürmern auch im Stall und befestigten Auslauf. Die Eier haben eine klebrige Oberfläche, sodass sie nicht nur am Boden, sondern auch auf senkrechten Gegenständen sowie Tieren zu finden sind. Zusätzlich sind sie auf Grund ihrer dicken Schale, bis zu 5 Jahre in der Umwelt überlebensfähig.

Deshalb müssen Jungpferde auch im Winter kontinuierlich beprobt werden.

Strongyliden – larvale Cyathostominose

Fohlen zeigen auf Grund ihres unfertigen Immunsystems auch höhere Strongyliden-Eizahlen. Bei sehr hohem Infektionsdruck besteht die Gefahr einer sogenannten „larvalen Cyathostominose“. Kleine Strongyliden weisen einen Entwicklungsschritt auf, wo sie sich in der Darmwand befinden. Dort wandern sie ein, entwickeln sich zum nächsten Stadium, um dann wieder auszuwandern.

Bei sehr hohem Befall kann sich diese Phase verlängern, so dass sich immer mehr Larven in der Darmwand ansammeln. Bei einer massenhaften plötzlichen Auswanderung aus der Darmwand, welche spontan aber auch durch eine Entwurmung mit Ivermectin erfolgen kann, kann es zu unstillbarem Durchfall kommen, der sogar tödlich enden kann.

Fälle akuter larvaler Cyathostominose treten vor allem von Nov. – April und hauptsächlich bei Pferden unter 5 Jahren auf.

Toxikologie

Jeder Körper, ist mit einer sogenannten Blut-Hirn-Schranke ausgestattet, welche verhindert, dass gewisse Substanzen, welche für das Hirn toxisch sind, nicht aus dem Blut ins Hirn übertreten können. Bei Fohlen ist diese Schranke noch nicht vollständig ausgebildet. Aus diesem Grund sind aus Sicherheitsgründen manche Wirkstoffe zu meiden bzw. nur begründet und in der richtigen Dosierung einzusetzen. Dies ist ein weiteres Argument für eine Beprobung und nur begründeten Einsatz von Medikamenten.

Fohlenflatrate

Da Fohlen und Jungpferde einen erhöhten Beprobungsbedarf haben, bieten wir eine Fohlenflatrate an. Diese ist für 6 oder für 12 Monate erhältlich. Je nach Infektionsdruck des Stalles kann die Flatrate bis zum 2. Lebensjahr sinnvoll sein.

Hier können Sie den Artikel als pdf downloaden: Kotlabor Schmid – Fohlen Jungpferde trächtige

 

September 12, 2019

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